Posts mit dem Label Artikelserie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Artikelserie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

In die Tonne getreten (26.01.2014)

Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? (Teil 5) 


Da saß ich nun. Jeden Abend nach Dienstschluss fuhr ich umgehend in mein minimalistisch eingerichtetes 15 qm-Appartement in Berlin und hämmerte in die Tasten meines Laptops. 90-Stunden-Wochen und mehr auf fünf Arbeitstage reduziert waren mittlerweile für mich der Normalzustand geworden (das hat sich übrigens bis heute nicht wesentlich geändert). Es hatte mich beruflich hierhin verschlagen. Aber ich wollte das alles nicht mehr. Jeder Wochentag war für mich inzwischen zu einem Martyrium geworden. Und meinen Frieden hatte ich nur noch an den Wochenenden zu Hause und während der wenigen Urlaubstage gefunden, die ich mit meiner Familie verbringen konnte. Es musste sich etwas ändern. Umgehend. Besser heute als morgen. Und deshalb ging es schon sehr bald nicht mehr um das Schreiben an sich. Darum, einfach alles raus zu lassen, um irgendwann vielleicht auch wieder den Kopf frei zu bekommen. NEIN! Ich kam gut voran. Redete mir ständig ein, dass aus diesem Projekt tatsächlich etwas werden konnte, aus dem Kapital zu schlagen war. Vielleicht würde es weniger sein, als das, was ich mit meinem Job verdiente. Aber egal. Wirklich glücklich war ich jetzt gerade auch nicht. Und wenn ich endlich wieder das hatte, was mir wirklich etwas bedeutete, dann war es einen Verzicht, der sich in einem angemessenen Rahmen hielt, alle Male wert. Notfalls könnte ich mich einige Zeit mit kleineren Nebenbeschäftigungen über Wasser halten? Zudem hätte meine Frau jederzeit in ihren Job zurück gekonnt, der ebenfalls alles andere als unterbezahlt war. Wie auch immer. DAS HIER musste jedenfalls ein Ende haben! 

Nach etwa sechs Monaten hatte das Gerüst meines Romans gestanden. Nun galt es, den Feinschliff vorzunehmen. Ich hatte mich an ein ziemlich ambitioniertes Projekt herangewagt. Denn im Grunde handelte es sich um längere Episoden, welche von anderen Episoden unterbrochen und an geeigneter Stelle wieder aufgenommen wurden. Und die ich zuletzt natürlich geschickt zu einer Geschichte miteinander verknüpfen wollte respektive musste. Im Kopf hatte das wunderbar funktioniert und während des Schreibens war mir auch nicht aufgefallen, dass ich nach und nach etwas den Faden verloren hatte. Sicher; für sich alleine gesehen machten die Stories Sinn. Aber das Verknüpfungsproblem bereitete mir schließlich ernsthaftes Kopfzerbrechen. 
Ich habe nicht die geringste Ahnung, ob Sie sich eine Vorstellung davon machen können, wie es ist, wenn man einen Roman immer und immer wieder lesen MUSS!? Schon gar nicht, wenn man sich gezwungen sieht, das zu lesen, was man selbst fabriziert hat. Weil man niemanden kennt, der wertfrei ein Urteil dazu abgeben kann. Der das Manuskript lektoriert (Nick musste ich da außen vor halten). Egal, ob es gut oder schlecht ist. Liest man seine eigenen Stories, werden sie mit jedem Mal mieser. 
Ich kann inzwischen auch nicht mehr sagen, wie oft ich umgeschrieben, ganze Passagen entfernt, wieder hinzugefügt, neue geschrieben und wiederholt umgeschrieben habe. Doch weil ich sehr viel kreative Zeit und Energie in diesen Teil meines Projekts gesteckt hatte, fehlte mir letztlich die erforderliche Geduld, den Roman ordentlich abzuschließen. Jede Euphorie, die ich an/in jenen Abenden und Nächten empfunden hatte, an/in denen ich so hart an meinem Roman gearbeitet hatte, war nun verflogen. Ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich mich fragte, ob es die Mühen und Entbehrungen wert gewesen war. Zweifelte und war inzwischen desillusioniert. Eine tödliche Kombination, wenn man Begonnenes in einem solchen Zustand zu Ende bringt. 

Blauäugig habe ich so ziemlich jedem deutschen Verlag damals mein Manuskript zugeschickt. Nur ein oder zwei haben mir damals mitgeteilt, dass sie gerade keine neuen Autoren aufnehmen würden. Der Rest hat sich nie bei mir gemeldet, was mich bei der Flut von Einsendungen, welche die Verlage täglich erreichen, zumindest heute nicht mehr wundert. Leider bin ich zu spät auf die Idee gekommen, mir einen Literaturagenten zu suchen. Einer hat mir dann mal geschrieben, dass ich es ohnehin vergessen könnte, einen Agenten zu beauftragen, wenn das Manuskript Verlagen bereits vorgelegen hat. Ich solle etwas Neues schreiben und mich danach wieder bei ihm melden. Eine Agentin teilte mir mit, dass das Manuskript zwar Potential hätte, gerade aber nicht den Mainstream trifft und sie daher ein Problem für die Vermarktung sähe. Vielleicht wollte sie aber auch nur freundlich sein. 
Zehn Jahre nachdem ich mein Manuskript mental in die Tonne getreten hatte, habe ich es mir wieder vorgenommen. Und selbst mir graut inzwischen vor der Umsetzung. Nach wie vor bin ich davon überzeugt, dass in der Tat Potential vorhanden war. Nur wusste ich nicht wirklich etwas damit anzufangen. Und ob denn etwas daraus geworden wäre, hätte ich nicht diese fatalen Fehler begangen, werde ich nun nie erfahren. 

Dass ich jetzt Kurzgeschichten schreibe, dient sowohl der Fingerübung, als auch der Möglichkeit, Themen, die mich interessieren, relativ schnell inhaltlich abschließen zu können. Und nach wie vor dazu, dieses ständige Ticken in meinem Kopf zu bekämpfen. Doch wer weiß? Vielleicht starte ich ja irgendwann einen zweiten Versuch. 

Übrigens: Nicht alle aber doch einige meiner Kurzgeschichten (FRIENDS) waren ursprünglich in Auszügen Teil des verschrotteten Romans. Auch wenn ich sie erneut entsprechend umschreiben musste. Raten Sie doch mal, welche? 


Ende der Artikelserie 


Weitere veröffentlichte Artikel in dieser Reihe finden Sie im VIPArchiv (Navigationsleiste): 

April 2013 - Erste Gehversuche (16.04.2013) 
Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? (Teil 4) 

Mai 2012 - Reif zur Veröffentlichung? (04.05.2012) 
Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? (Teil 3) 

März 2012 - Manchmal kommt es anders… (26.03.2012) 
Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? (Teil 2) 

Februar 2012 - Am Anfang war VIP (15.02.2012) 
Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? (Teil 1) 



vip

Erste Gehversuche (16.04.2013)

Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? (Teil 4)

Liebe Leserinnen und Leser,

als Mensch, der immer nach dem Motto think blue gelebt hatte, war es mir stets möglich gewesen, jedem noch so widrigen Umstand etwas Positives abzugewinnen. Und mein Selbstkonzept hätte kaum stabiler sein können. Wenn etwas so lief, wie ich mir das vorgestellt hatte, dann hatte ich dies meinen Fähigkeiten zu verdanken. Wenn es einmal anders lief… nun, dann war das eben Pech gewesen! Differenzierter darüber nachzudenken hatte für mich bis dahin keinen Sinn gemacht. Doch mit der Familiengründung änderte sich das schlagartig. Und plötzlich vollzogen sich die ersten Planspiele in meinem Kopf.
Zu Beginn spielte sich dieser Vorgang eher sporadisch und unterbewusst ab. Ich ertappte mich manchmal dabei, wenn eine nicht routinemäßige Entscheidung zu treffen war. Doch eine Familiengründung beinhaltet schließlich auch ein Mehr an Verantwortung, welche man zu tragen hat. Daher habe ich dem damals keine besondere Bedeutung beigemessen. Zudem verschafften mir Job und Familie ausreichend Ablenkung.
Aber ebenso, wie man vielleicht einmal die (vermeintlich) falsche Entscheidung trifft, welche letzten Endes etwas Positives zur Folge hat, gibt es auch den umgekehrten Fall. Und in dem Bewusstsein, mich von mehr oder weniger einem auf den anderen Tag in eben dieser Situation zu befinden, brach dieser Krieg in meinem Kopf aus. Das absolute Chaos! Ich stellte nicht nur meine Entscheidungsfähigkeit für die Zukunft in Frage, sondern auch jedwede Entscheidung, die ich in der Vergangenheit getroffen hatte. Kaum etwas war noch in der Lage, mich auf andere Gedanken zu bringen. Weder Job noch Familie. Ständig ging ich was-wäre-gewesen-wenn Szenarien in meinem Kopf durch und handelte zudem Fragen ab, die ich mir - berechtigt oder nicht - zuvor niemals gestellt hatte. Nachts träumte ich dann davon.
Langsam aber sicher wurde mir schließlich klar, dass ich lediglich eine neue Erkenntnis gewonnen hatte, mit der ich noch nicht klar kam: ich war mir immer selbst zu wichtig gewesen. Alles andere hatte ich irgendwie verdrängt. Und nun sollte ich die Quittung dafür erhalten.

Eine Erleuchtung oder wie immer man das auch nennen will, ist die eine Sache. Etwas daraus zu machen eine andere. Um das, was in meinem Kopf umher spukte zu verarbeiten, begann ich schließlich alles aufzuschreiben. Zunächst in Form eines Tagebuchs. Aber bereits nach kurzer Zeit erschien mir diese Vorgehensweise irgendwie zu banal. Also entschloss ich mich dazu, eine Art Tatsachenroman zu schreiben. Doch während ich die ersten Seiten niederschrieb musste ich mir gleichzeitig eingestehen, dass das nun wirklich niemanden interessieren würde. Unabhängig davon, dass ich insbesondere in Bezug auf meine berufliche Tätigkeit eher lustige Geschichten zu erzählen gehabt hätte. Und nach Lustig war mir nicht!
Blieb noch die frei erfundene Geschichte. Sie hatte für mich den Vorteil, dass ich mich keinem Seelen-Striptease unterziehen müsste. Man würde kaum nachvollziehen können, welche Wesenszüge meiner Charaktere geschaffen und welche übertragen, welche ihrer Gefühlsregungen der Fiktion des Autors entsprungen und welche autobiographisch waren. Und wenn die Orte der Handlung dann auch noch fernab der Heimat lagen, sollte einer augenscheinlichen Selbstoffenbarung ausreichend vorgebeugt sein. Jetzt fehlten nur noch die richtigen Stories. Grundsätzlich einfacher gesagt als geschrieben.

Während manche Schriftsteller offensichtlich nur ein Bedürfnis befriedigen wollen, also das bedienen, was bei einem Gros der Leserschaft gerade angesagt ist, schreiben andere sicherlich auch weil sie glauben, der Welt etwas mitteilen zu müssen. Egal, ob das gewählte Genre gerade aktuell ist oder nicht.
Beides will gekonnt sein! Wobei die Vorteile für Autoren, die sich dem Mainstream anpassen, auf der Hand liegen. Zumindest so lange sie noch unbekannt sind.
Ich habe mir damals noch keine Gedanken darüber gemacht. Für mich war das ein Experiment. Die Antwort auf die Frage, ob ich Dinge inhaltlich verpacken konnte, die mich beschäftigten. Und das Schreiben selbst lenkte mich von meinen ursprünglichen Problemen ab. So seltsam das klingen mag.

Die Ideen sprudelten und ich war überzeugt, daraus einen ganz ordentlichen Roman machen zu können. Wenn ich mir noch ein wenig mehr Mühe gegeben, vor allem aber mehr Zeit gegönnt hätte… wer weiß? Doch ich habe in dieser Hinsicht so ziemlich jeden Fehler begangen, den ich machen konnte. Und das sollte Folgen haben…


Fortsetzung folgt…


Weitere veröffentlichte Artikel in dieser Reihe finden Sie im VIPArchiv (Navigationsleiste):

Mai 2012 - Reif zur Veröffentlichung? (04.05.2012)
Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? (Teil 3)

März 2012 - Manchmal kommt es anders… (26.03.2012)
Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? (Teil 2)

Februar 2012 - Am Anfang war VIP (15.02.2012)
Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? (Teil 1)




vip

Artikelserie wird fortgesetzt (03.04.2013)

Liebe Leserinnen und Leser,

im Mai des vergangenen Jahres habe ich hier den dritten Teil der Artikelserie Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? veröffentlicht. Eine Fortsetzung der Reihe war entschieden früher geplant, doch leider habe ich mich in den letzten Monaten auf andere Dinge konzentrieren müssen. Da mir aktuell wieder ein wenig Zeit zur Verfügung steht, werde ich die Fortsetzung nun aber in den nächsten Tagen an dieser Stelle vornehmen können. Weiterhin ist noch in diesem Monat die Veröffentlichung einer neuen Kurzgeschichte vorgesehen. Lassen Sie sich also überraschen und bleiben Sie uns bitte gewogen.

In diesem Sinne… so long…


Bisher veröffentlichte Artikel in dieser Reihe finden Sie im VIPArchiv (Navigationsleiste):

Mai 2012 - Reif zur Veröffentlichung? (04.05.2012)
Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? (Teil 3)

März 2012 - Manchmal kommt es anders… (26.03.2012)
Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? (Teil 2)

Februar 2012 - Am Anfang war VIP (15.02.2012)
Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? (Teil 1)




vip

Reif zur Veröffentlichung? (04.05.2012)

Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? (Teil 3)

Liebe Leserinnen und Leser,

mit diesem Artikel zum Thema Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? verlasse ich kurz den ursprünglich geplanten chronologischen Faden dieser Serie, weil er zum einen sehr aktuell ist und zum anderen hervorragend in die Rubrik passt.

Die Zeit, die zwischen den Veröffentlichungen meiner letzten beiden Kurzgeschichten liegt, beträgt mehr als 7 Monate! Für ein Kurzgeschichten-Blog, das natürlich von neuen Inhalten lebt, ohne die es keine nennenswerte Zahl an (auf Dauer wiederkehrenden) Besuchern gibt und das ohnehin mit einem schier übermächtigen Wettbewerb zu tun hat, eigentlich eine traurige Angelegenheit. Zumal ich selbst bereits ein anderes Ziel für unsere Präsenz kommuniziert hatte und das Portfolio in Bearbeitung befindlicher Stories (zumindest mich betreffend – bei Nick haben andere Prioritäten z.Zt. Gültigkeit) nicht schlecht gefüllt ist.

ABER…

Mit dem ABER, das ist immer so eine Sache! Ich will mich hier gar nicht auf die billige Art und Weise herausreden, sondern es genau so schildern, wie es ist.

In der Art, wie Sie das Blog heute vorfinden, war es ursprünglich überhaupt nicht geplant! Und auch nach mittlerweile mehr als zwei Jahren im Netz bin ich mir relativ sicher, dass Sie noch nicht die Endversion unseres Auftritts gesehen haben.
Das ganze war damals noch als ein Spaß - nennen Sie es - aus einer Bierlaune heraus - und als Überraschung für Nick gedacht, der mit dem Erstellen einer eigenen Internetpräsenz bis heute nicht allzu viel am Hut hat. Es sollte lediglich ein Fan-Blog für eine alles in allem zunächst doch sehr übersichtliche Gemeinde werden. Somit wäre auch die für mich damit verbundene Arbeit in einem überschaubaren Rahmen geblieben.
Erst während der Arbeit mit und an dem Blog reifte langsam die Erkenntnis in mir, dass alle bis dato investierte Zeit vergebens gewesen wäre, hätte ich es auch weiterhin nur so nebenher betrieben und mit Inhalten gefüllt.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch! Bezüglich der Qualität eines Internetauftritts wird es i.d.R. immer geteilte Meinungen geben. Sei es die graphische Umsetzung oder die inhaltliche Gestaltung. Wir sind ein noch sehr junges Blog und von Perfektion weit entfernt. Sowohl das eine, als auch das andere betreffend.
Doch sollte SEO irgendwann einmal unser einziges Problem darstellen, wäre ich auch bereit, professionelle (und somit wahrscheinlich kostenpflichtige) Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Aber (da ist schon wieder dieses Wort!) sein wir doch einmal ehrlich: wenn nicht bereits die Ladezeiten einer Seite Ihre Geduld über die Maßen strapazieren, die benutzten Farben keinen epileptischen Anfall bei Ihnen auslösen und das Schriftbild einigermaßen ordentlich ausfällt, kommt es doch hauptsächlich auf den Inhalt an, oder?

Was meine Artikel und natürlich unsere Kurzgeschichten im besondern Maße anbetrifft, haben wir hier sehr wohl kontinuierlich die Möglichkeit, uns weiter zu entwickeln.

Warum ich Ihnen das alles erzähle?

Nun; ich komme auf den eingangs erwähnten zeitlichen Abstand zwischen den beiden zuletzt eingestellten Kurzgeschichten zurück:
auch wenn Sie selbst noch nie eine Geschichte o.ä. geschrieben haben, hat die/der eine oder andere von Ihnen vielleicht schon einmal einen Brief gelesen, den er einige Zeit zuvor selbst verfasst hat. Und es kommt manchmal vor, dass man plötzlich einen Rechtschreibfehler entdeckt, der einem auch nach dem xten Überlesen des Briefes verborgen geblieben ist. Oftmals findet man Formulierungen, die man im Nachhinein vielleicht anders gewählt hätte. Und hin und wieder einzelne Sätze oder ganze Passagen, auf die man auch gänzlich hätte verzichten können.

Ebenso verhält es sich mit meinen Kurzgeschichten. Nicht umsonst lasse ich fertige Geschichten mittlerweile monatelang auf Eis liegen. Das macht sie noch immer nicht perfekt. Meiner Meinung nach jedoch um einiges besser.
Es gibt bereits veröffentlichte Kurzgeschichten von mir im Blog, die ich heute wahrscheinlich in dieser Form nicht mehr veröffentlichen würde. Warum ich sie damals so hier eingestellt habe, wird in weiteren Folgen zu dieser Serie klar werden. Inzwischen habe ich jedenfalls festgestellt, dass sich nach einiger Zeit z.B. zwei verschiedene Stories zu einer Kurzgeschichte zusammenfassen lassen. Das liegt z.T. in der Aktualität von Allerweltsthemen begründet, die mich zwischenzeitlich geradezu anspringen und die mir plötzlich die Möglichkeiten geben, Handlungsfäden zu verknüpfen, die ich ursprünglich mit einem völlig anderen thematischen Hintergrund verbunden hatte. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil beim Verfassen von Kurzgeschichten (im Gegensatz zu Novellen/Romanen).

Nicht zu vergessen bleibt, dass oftmals nur geringfügige Änderungen des Textes, das Weglassen von einzelnen Sätzen oder ganzer Passagen, eine geänderte Absatzgestaltung oder lediglich die Anpassung des Titels der Kurzgeschichte derselben eine vollkommen andere Richtung geben und ihre Grundaussage in einem völlig anderen Licht dastehen lassen können.

Die Idee zu
WALKER ist noch gar nicht so alt. Und für das Gerüst habe ich gerade einmal fünf Minuten gebraucht. Während der Fertigstellung ließ ich mich jedoch immer wieder durch ein anderes Thema ablenken (das passiert mir übrigens sehr häufig), welches mich parallel hierzu beschäftigte, für welches ich eigentlich eine eigenständige Story vorgesehen und für die bereits seit langer Zeit ein fertiges Gerüst gestanden hatte.
Inzwischen können Sie sich sicher vorstellen, was passiert ist!?

Ich bin überzeugt davon, dass es nur von Vorteil sein kann, sich nicht konsequent an einem Thema festzubeißen und womöglich irgendwann an einer Schreibblockade zu verzweifeln. Neue Idee, neue Geschichte. Und nach einiger Zeit fügt sich beinahe alles fast wie von selbst zusammen. Bei mir funktioniert das jedenfalls.

Somit ist auch nicht ausgeschlossen, dass zukünftig wieder in erheblich kürzeren Abständen gleich mehrere neue Kurzgeschichten hier veröffentlicht werden können. Je größer das Portfolio an Ideen und begonnener Stories, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit dafür. Und um es mit einem letzten ABER abzuschließen: sich deshalb (zumindest zeitlich) selbst unter Druck zu setzen, macht nun überhaupt keinen Sinn.
Egal, was man im Leben anfasst; meistens leidet unter derart ungünstigen Voraussetzungen die Qualität dessen, was man als Ergebnis abliefert.


Fortsetzung folgt…


vip

Manchmal kommt es anders… (26.03.2012)

Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? -Teil 2-
Liebe Leserinnen und Leser,

2002 wird immer ein Jahr bleiben, an das ich mich gut erinnern werde. Mit sehr gemischten Gefühlen.
Nick hatte in diesem Jahr eine Hochphase. Das erste eigene Buch in den Händen zu halten, wenn auch oder gerade weil in nicht unerheblichem Maße aus Eigenmitteln mitfinanziert, dieses Gefühl ist sicher nicht so ohne weiteres zu beschreiben. Und wenn ich ihm dies auch von ganzem Herzen gegönnt habe, habe ich ihn, ehrlich gesagt, auch ein wenig darum beneidet. Denn ich war mir zu diesem Zeitpunkt sicher, dass dieses Buch zumindest einen Achtungserfolg erzielen und zugleich als Türöffner für weitere Veröffentlichungen fungieren würde. Womit für Nick der Weg geebnet zu sein schien, in naher Zukunft genau das zu tun, wofür er sich berufen fühlte (der Begriff BERUF kommt schließlich nicht von ungefähr). Und ich kenne nur sehr wenige Menschen – wenn überhaupt – die das von sich behaupten können bzw. wollen.

Ich selbst konnte mich über meinen Job damals eigentlich nicht beschweren. Ich arbeitete schon beinahe acht Jahre für ein Industrieunternehmen und war für den Vertrieb in meiner Region zuständig. Die Aufgabe war ansprechend und abwechslungsreich, ich hatte täglich mit Menschen unterschiedlichster Couleur (in jeder nur erdenklichen Hinsicht) zu tun, mein Chef war einfach nur klasse und finanziell passte es ohnehin. Für jemanden, dem ideelle Werte schon immer wichtiger als materielle Werte waren, nicht schlecht. Nur kann man sich i.d.R. von Erstem nichts kaufen und so war Letzteres eben das Sahnehäubchen. Aber mein Traumjob war das nicht und all das hatte zudem auch seinen Preis.

Ich kann nicht behaupten, dass ich zu diesem Zeitpunkt eine 50-Stunden-Woche oder mehr zu beklagen gehabt hätte. Ich hatte insbesondere ausreichend Zeit für die Familie, sowohl in der Woche, als auch an den Wochenenden. Das war (und ist) das Wichtigste für mich überhaupt. Und wenn Menschen auch im Allgemeinen geneigt sind immer nach Dingen zu streben, die sie noch nicht erreicht haben oder ihr Eigen nennen können, war mir damals bereits bewusst, dass ich in meinem Leben mittlerweile viel mehr zu verlieren hatte, als es zu gewinnen gab.
Und – wie zur Bestätigung meiner schlimmsten Befürchtungen – sollte ich sehr bald feststellen, dass ich mit dieser Einschätzung nicht verkehrt lag.

Einmal ungeachtet der finanziellen Aspekte, wirft man eine Sache nicht einfach hin. Das gilt jedenfalls für mich. Als mir meine Firma nach acht Jahren eröffnete, dass sie mich fast 600 Kilometer von meinem Wohnort entfernt versetzen oder mir alternativ kündigen würde galt es, eine Entscheidung zu treffen.
Natürlich habe ich dies nicht alleine getan. Nur leider sieht in der Theorie vieles vollkommen anders aus, als in der Praxis. Und die Entscheidung für den Job und die Firma war einer meiner größten jemals begangenen Fehler.

Die ersten Monate waren eine echte Quälerei für mich und zu dieser Zeit begann dieses Ticken in meinem Kopf. Ich musste das irgendwie rauslassen. Alles, was in meinem Kopf herumspukte verarbeiten. Zum Beispiel in einem Roman.

Etwas Hirnrissigeres hätte mir kaum einfallen können.

Fortsetzung folgt…


HIER finden Sie Teil 1



vip

Am Anfang war VIP (15.02.2012)

Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? -Teil 1-
Liebe Leserinnen und Leser,

nun will ich damit beginnen, mein Versprechen einzulösen. Aber… wo fange ich an?

Der Wunsch zu schreiben, mich auszudrücken, einem größeren Publikum mitzuteilen was mich beschäftigt, ist nicht von heute auf morgen entstanden. Vielmehr war es ein sehr langwieriger Prozess. Ständig begleitet von Zweifeln, ob es jemals auch nur irgendwen interessieren würde.
Zudem gibt es wohl kaum eine Geschichte, die nicht in irgendeiner Form von irgendjemandem irgendwann bereits einmal geschrieben wurde. Entscheidend sind nach meiner persönlichen Einschätzung zwar - vorausgesetzt, man verfügt über das notwendige Rüstzeug - die Umsetzung und der Kontext, in dem die Geschichte erzählt wird; aber…würde ich das auch hinkriegen?

Um ein halbwegs taugliches Manuskript für einen Roman abzuliefern sind (je nach Thema) i.d.R. aufwendige Recherchen erforderlich. Das kostet Zeit und ggf. auch Geld. Ein Investment, von dem kein noch unbekannter Autor weiß, ob er auch nur annähernd einmal eine Gegenleistung hierfür erhält. Und selbst wenn der Autor über ein Thema schreibt, mit dem er sehr vertraut ist, zu dem er bestenfalls sogar über Insiderinformationen verfügt ist nicht sicher gestellt, dass Literaturagenten bzw. Verleger in dem fertig gestellten Werk ausreichend Leserpotential sehen.
Dennoch habe auch ich mich zunächst (vergeblich) an einem Roman versucht …doch dazu später mehr.

Anfang 2000 war mein Freund Nick Evans bereits seit längerer Zeit als selbständiger Kurierfahrer unterwegs. Die Leerzeiten nutzte er immer, um auf einem eigens hierfür bereitgelegten Block alles Mögliche aufzuschreiben, das er eventuell einmal in seine Stories einbauen konnte, die in seinem Kopf herumspukten. Mit der Zeit hatte sich dann auch einiges an Material angesammelt und er begann, seine ersten Kurzgeschichten zu schreiben. Wir sind zusammen aufgewachsen und daher gehörte auch ich zum engsten Kreise derer, die eine Kostprobe seiner ersten literarischen Gehversuche erhielten.
Ich war damals wirklich überrascht, wie leicht es ihm zu fallen schien auch banalste Themen in spannende, teilweise sehr lustige, manchmal absurde und zum anderen wiederum nachdenklich machende Geschichten zu verpacken. Schon zu dieser Zeit hat er nie einen Hehl daraus gemacht, dass der Stil von Bukowski ihn nicht unwesentlich beeinflusst hat und aus der einen oder anderen Story las man das auch heraus, was nicht unbedingt jedermanns Fall ist. Trotzdem ermutigte auch ich ihn dort weiter zu machen. Mir gefielen seine Geschichten einfach zu gut. Sie waren so geschrieben, wie ich sie lesen wollte und sobald eine Story dialoglastig wurde merkte ich, dass er für Dialoge in meinen Augen ein besonderes Talent hat.

Schließlich legte er einem befreundeten Lektor sein vorläufiges Manuskript vor. Der hatte zwar mit Belletristik nichts am Hut, bescheinigte ihm jedoch, dass es tatsächlich Potential hatte. Die Idee zu VIP-very impertinent people (Stories von Leben und Tod), einer Sammlung von 17 Kurzgeschichten war geboren.

Genau zu dieser Zeit begann ich darüber nachzudenken, mich selbst einmal als Autor zu versuchen. Geschichten hatte ich mehr als genug im Kopf, aber es mangelte mir sowohl an der Zeit, als auch an der Motivation mich hinzusetzen und tatsächlich loszulegen. Und es sollten noch viele Monate vergehen, bis Nick Evans Kurzgeschichtensammlung veröffentlicht wurde und ich aus einem völlig anderen Grund begann, die ersten Kapitel meines geplanten Romans auf die Festplatte meines Laptops zu bannen.

Fortsetzung folgt…




vip

Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? (12.02.2012)

Liebe Leserinnen und Leser,

in drei Tagen, am 15.02.2012 feiert Nick Evans & Friends: Fan- und Kurzgeschichten Blog ein Mini-Jubiläum. Denn dann sind wir genau zwei Jahre online. Grund genug für mich, mir diesen Anlass betreffend etwas einfallen zu lassen.

Im letzten Jahr konnten Sie hier einen Gastkommentar von Nick Evans lesen und ich denke, dass ich ihn auch in diesem Jahr dazu bewegen kann, noch in diesem Monat etwas von seiner Seite hierzu zu veröffentlichen.
Ich selbst werde in diesem Zusammenhang eine lose Reihenfolge zum in der Überschrift genannten Thema starten. Und ich hoffe, dass dies zu einem noch besseren Verständnis Ihrerseits führt, welche Beweggründe in meinem Fall eine Rolle spielen, das nicht unerhebliche Risiko billigend in Kauf zu nehmen, mit einem derartigen Projekt gehörig auf die Nase zu fallen.
Individualität hat seinen Preis und ich scheue mich nicht, ihn zu zahlen. Eine entsprechende Funktion zur Abgabe Ihres konstruktiven und geschätzten Kommentars wird eingerichtet und ich würde mich über einen regen Meinungsaustausch mit Ihnen freuen.

Selbstverständlich dürfen Sie in Kürze auch wieder eine neue Kurzgeschichte erwarten. Ich persönlich arbeite aktuell an 20 (zwanzig!) Stories – den Grund dafür erfahren Sie u.a. in der genannten Rubrik Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? – und auch Nick ist in der letzten Zeit sicher nicht ganz untätig geblieben, obwohl sein aktuelles Romanprojekt definitiv Vorrang hat.

Lassen Sie sich also in den nächsten Wochen und Monaten von uns überraschen. Den ersten Teil zu Kurzgeschichten schreiben – mehr als nur ein Hobby? finden Sie jedenfalls ab kommenden Mittwoch an dieser Stelle.

In diesem Sinne… so long…



vip